Zweckverband

Sozialstation Mittlere Wetterau

Hainweg 4-6, 61203 Reichelsheim
Telefon: (06035) 8209100
E-Mail: info@sozialstation-wetterau.net

Kontinenzförderung

Wie entsteht eine Blasenschwäche?

In den Nieren wird ständig Urin gebildet, der sich dann in der Harnblase sammelt. Die Beckenbodenmuskulatur verschließt die Harnblase und sorgt dafür, dass kein Urin unbeabsichtigt verloren wird. Wir spüren, wenn die Blase gefüllt ist und wir die Toilette aufsuchen müssen. Voraussetzung für die normale Blasenentleerung ist also, dass sowohl die Blase als auch die Beckenbodenmuskulatur, aber auch die Nervenüberleitung und deren Verarbeitung funktionieren. Bei einer Blasens chwäche sind eine oder mehrere dieser Funktionen gestört.

Ursachen und Anzeichen

Die Ursachen für eine gestörte Blasenentleerung können in der Umgebung liegen:

 

  • Schlecht zugängliche oder nicht ausreichend ausgestattete Toiletten
  • Schwache Beleuchtung des Toilettenraums
  • Fehlende Haltegriffe
  • Zu niedrige Sitzhöhe der Toilette
  • Türschwellen
  • Unpraktische Kleidung

Ebenso können körperliche Faktoren zu einer gestörten Blasenentleerung führen

 

  • Erkrankungen wie Demenz, Parkinson oder Multiple Sklerose, aber auch der Zustand z.B. nach einem Schlaganfall
  • Belastung durch Medikamente
  • Harnwegsinfektionen
  • Veränderungen und/oder Operation der Prostata
  • Belastungen des Beckenbodens durch vorangegangene Schwangerschaften oder starkes
    Übergewicht

Tipps zum Umgang mit Blasenschwäche

Ausreichend Trinken

Viele ältere Menschen sind der Meinung, dass sie den ungewollten Urinabgang vermeiden können, wenn sie weniger trinken. Dies stimmt nicht! Das Trinken zu reduzieren birgt sogar gesundheitliche Gefahren: Eine geringere Flüssigkeitsmenge erhöht das Risiko einer Blasen- und Harnwegsinfektion. Das steigert die Gefahr eines ungewollten Urinverlustes. Trinken Sie daher ausreichend. Als Faustregel gilt: pro Tag rund 30 ml pro Kilogramm Körpergewicht. Eine Person von 60 kg sollte also 1,8 l Flüssigkeit jeden Tag zu sich nehmen (wenn keine krankheitsbedingten Flüssigkeitseinschränkungen vorliegen). Grundsätzlich ist es egal, was Sie trinken. Denken Sie jedoch daran, dass bestimmte Getränke wie Kaffee, Tee oder Bier die
Urinausscheidung verstärken können.

Gestaltung der Umgebung

Die Toilette sollte möglichst schnell erreichbar sein. Achten Sie auf einen ungehinderten Zugang. Teppichkanten, Möbel oder zugestellte Türen verhindern das schnelle Aufsuchen der Toilette und können in der Eile sogar zu Stürzen führen. Haltegriffe und Toilettensitzerhöhung sind praktisch, um das Hinsetzen und Aufstehen zu erleichtern. Der Toilettenraum sollte gut beleuchtet sein und ausreichend Bewegungsfreiheit bieten. Beachten Sie auch den größeren Platzbedarf durch Gehstöcke, Rollatoren oder Rollstühle. Toilettenstuhl, Urinflaschen oder Steckbecken können bei eingeschränkter Beweglichkeit und besonders nachts hilfreich sein.

Kleidung

Kleidung mit vielen Knöpfen und kleinen Reißverschlüssen kann bei Harndrang nicht schnell genug ausgezogen werden. Der dadurch entstandene Zeitverlust kann zu einem vermeidbaren Urinverlust führen.

Beckenbodentraining

Gezieltes Training des Beckenbodensmit wiederholtem Wechsel von An-
und Entspannung stärkt die Muskulatur. Der Verschlussmechanismus der Blase wird gestärkt. Das wirkt einer Blasenschwäche entgegen. Krankengymnasten, hysiotherapeuten und/oder Hilfsmittel können das Training unterstützen.

Regelmäßige Toilettengänge

Planen Sie allein oder gemeinsam mit Ihren Angehörigen regelmäßige Toilettengänge nach einem festen Rhythmus ein, z.B. alle 2 oder 3 Stunden, um eine regelmäßige Blasenentleerung zutrainieren und so einem unkontrollierten Urinverlust vorzubeugen. Die meisten Menschen haben ihre individuellen Ausscheidungsgewohnheiten, gehen also häufig zur gleichen Zeit zur Toilette. Auf dieser Grundlage können Sie einen persönlichen Toilettenplan für den ganzen Tag und gegebenenfalls die Nacht erstellen. Liegt bereits eine leichte Inkontinenz vor, bietet es sich an, 5 bis 10 Minuten vor der gewohnten Zeit an den Toilettengang zu erinnern. So kann Inkontinenz teilweise oder ganz verhindert werden.

Aufsaugende und ableitende Hilfsmittel

Zusätzlich zu den bereits genannten Hilfsmitteln gibt es bei bestehender Inkontinenz verschiedene aufsaugende und ableitende Hilfsmittel. Die Produkte sind in Sanitätshäusern und Apotheken erhältlich. Zu den aufsaugenden Hilfsmitteln zählen:

  • Betteinlagen, sowohl in textiler Form wie auch Einmalmaterial, zum Schutz von Bett- und Sitzflächen
  • Slipeinlagen
  • Einmalvorlagen in verschiedenen Größen
  • Inkontinenzschutzhosen zum Kleben oder als Slip

Aufsaugende Hilfsmittel sollten den individuellen Bedingungen entsprechen:

  • Körpergröße
  • Auffangmenge (immer die kleinste benötigte Form wählen)
  • Gegebenenfalls Tag- Nacht-Unterschied
  • Tragekomfort (anatomisch geformt)
  • Sicherheit und Diskretion (Rascheln und Auftragen vermeiden)
  • Einfache Handhabung

Muster und kostenlose Proben erhalten Sie in Sanitätshäusern oder Apotheken.
Zu den ableitenden Hilfsmitteln zählen:

  • Kondomurinal für männliche Pflegebedürftige
  • Katheter zur Einmal- und Dauerableitung

Der Einsatz dieser Hilfsmittel setzt eine umfangreiche ärztliche Diagnostik und Verordnung voraus. Eine Inkontinenz allein begründet keine Dauerkatheterisierung.

Tipps für pflegende Angehörige

  • Versuchen Sie, bei ersten Anzeichen einer Blasenschwäche mit Ihren Angehörigen ins
    Gespräch zu kommen. Reagieren Sie einfühlsam, machen Sie keine Vorwürfe und berücksichtigen Sie, dass dieses Thema für beide Seiten Scham besetzt ist.
  • Blasenschwäche ist nicht gleich Blasenschwäche. Deshalb ist eine differenzierte Diagnostik durch den Hausarzt oder Urologen sinnvoll, um eine optimale Therapie und Versorgung zu ermöglichen.
  • Jeder Mensch hat seine eigenen Rituale beim Toilettengang. Lassen Sie Ihrem Angehörigen die Zeit, die er dafür benötigt, und sorgen Sie für eine ruhige und ungestörte Atmosphäre. Seien Sie diskret und verlassen Sie, wenn es der Gesundheitszustand Ihres Angehörigen erlaubt, den Raum.
  • Ist die Inkontinenz für den Angehörigen oder den Pflegebedürftigen belastend, scheuen Sie sich nicht, die Beratung und Unterstützung der Sozialstation „Mittlere Wetterau“ in Anspruch zu nehmen.
  • Häufig bieten auch Sanitätshäuser und Apotheken umfassende Beratung zu Hause an.
    Fragen Sie nach diesem Angebot!
  • Beim Gebrauch von Hilfsmitteln wie Vorlagen achten Sie darauf, dass sich keine Konturen durch die Kleidung abzeichnen. Lange Hosen, weit geschnittene Blusen und Pullover helfen, die Vorlage zu kaschieren und machen sie auf diese Weise unauffälliger. Das Tragen von Jogginganzügen oder Nachthemden auch tagsüber ist dagegen nicht erforderlich. Scheuen Sie sich nicht, bei Einkäufen, Ausflügen und Reisen Inkontinenzmaterial zu nutzen, und planen Sie Toilettengänge ein.

Möglichkeiten der Kostenübernahme

Hilfsmittel, Inkontinenzmaterial und wohnumfeldverbessern de Maßnahmen können über die Kranken- und Pflegekasse finanziert werden, wobei ein Eigenanteil getragen werden muss. Eine entsprechende ärztliche Verordnung bzw. Antragstellung ist jedoch erforderlich. Die Mitarbeiter der Sozialstation „Mittlere Wetterau“ beraten Sie gerne und sind Ihnen bei der Antragstellung behilflich. Auf Wunsch nehmen wir auch Kontakt zu Ihrem Arzt auf.

Bei Fragen steht Ihnen das Team der Sozialstation „Mittlere Wetterau“ gerne zur Verfügung.

Petra Caspari

Verwaltungsleitung

Telefon (06035) 8209101
E-Mail info@sozialstation-wetterau.de

Helena Braun

Pflegedienstleitung, Pflegefachkraft

Telefon (06035) 8209102
E-Mail info@sozialstation-wetterau.de